Sep
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Michael Schmidt erster Deutscher Meister im Paracanoeing

Gemünden. Es war der Tag der Überraschungen: Bei den allerersten Deutschen Meisterschaften im Paracanoeing (Kanurennsport für Menschen mit Behinderung) holten sich beide Teilnehmer von der WWC Gemünden die Titel – und schrieben damit Geschichte. Dabei hatten sie erst wenige Monate zuvor mit dem Training begonnen!

Mit weit ausholenden Paddelschlägen stürmt Michael Schmidt dem Ziel entgegen.Michael Schmidt, Vizepräsident Organisation im Bayerischen Kanu-Verband, hatte während dieser Zeit mehr als Verbandstrainer seine bayerischen Teamkollegen angeleitet, ihnen teilweise erst das Paddeln beigebracht, und sie in die Techniken beim Start und Sprint eingewiesen. Sein eigenes Training lief eigentlich mehr am Rand mit ...

Je näher das Rennen kam, um so aufgeregter wurde er. Früher aktiver und auch sehr erfolgreicher Kanurennsportler, hatte er seit 25 Jahren kein Rennen mehr gefahren. Und jetzt startete der Dritte der Weltmeisterschaften 2011 nur ein paar Bahnen neben ihm. Auf der anderen Seite sein Münchner Schützling Michael Weigl. „Ich würde Michi ja so sehr eine Medaille gönnen", wünschte Schmidt, „aber bremsen werd' ich trotzdem nicht für ihn!"

Die strahlenden Sieger der 1. Deutschen Meisterschaft im Paracanoeing, Michael Schmidt und Irmgard Bruck, mit dem Ehrenpreis, gestiftet vom Bayerischen Ministerpräsidenten.Michi Weigl fuhr knapp an einer Medaille vorbei – der Weltmeisterschaftsdritte war schneller, aber nicht schnell genug. Der Gemündener Michael Schmidt setzte sich vom Start weg an die Spitze und behielt diesen Platz bis ins Ziel. Nur 22 hundertstel Sekunden nach ihm überquerte der Zweitplatzierte, Peter Dietl vom RP Augsburg, die Ziellinie. Für Michael Schmidt war es der erste Titel eines Deutschen Meisters in seiner großen Sammlung. Ministerialrat Professor Wolfgang Caselmann vom Bayerischen Gesundheitsministerium überreichte ihm bei der Siegerehrung den Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten, einen großen Porzellanlöwen. Schmidt sieht diesen jedoch als Anerkennung für das gesamte bayerische Team.

Noch viel überraschender hatte kurz zuvor Irmgard Bruck, ebenfalls WWC Gemünden, ihre Konkurrentinnen geschlagen. Mit einer knappen Sekunde Vorsprung holte sie die Goldmedaille und den Titel der ersten Deutschen Meisterin im Paracanoeing.

Siegerin Irmgard Bruck vom WWC Gemünden (vorne) vor der Zweitplatzierten Andrea Szabadi-Heine vom RP Augsburg.Beide, Schmidt und Bruck, werden am Samstag, den 24. September beim ersten Handicap-Rennen des KSC Gemünden an den Start gehen und wollen hier ihrer Favoritenstellung gerecht werden. Dann startet auch Matti Wetzel von der WSG Kleinheubach.

Der junge Rollstuhlfahrer aus Miltenberg hatte eine weitere Überraschung parat: Er überreichte die Weste des Paracanoeing-Teams an Oliver Bungers (Präsident des Bayerischen Kanu-Verbandes) und Hartmut Courvoisier (Präsident des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes Bayern) als Dankeschön für die Unterstützung beider Verbände beim Aufbau der bayerischen Mannschaft. Beide Präsidenten hatten unmittelbar nach der Siegerehrung der Handicap-Rennen vor viel Publikum und Prominenz einen Kooperationsvertrag zwischen ihren Verbänden unterzeichnet.

Paracanoeing wird 2016 in Rio de Janeiro erstmals paralympische Disziplin sein ... Möglicherweise nicht mit Michael Schmidt und Irmgard Bruck am Start – aber vielleicht mit dem jungen Matti Wetzel?

Uschi Zimmermann, Kleinheubach

[Fotos von Uschi Zimmermann.]

Geschrieben von Bayerischer Kanu-Verband. Veröffentlicht in Sport