Okt
07
6:26 Uhr

Neueste Maschinentechnik an der TUM

Von TU München in Panorama.Bayern@lokaliz

Laser-Schneiden und Biegen in einem Arbeitsgang

An der Technischen Universität München (TUM) steht Studenten und Forschern seit kurzem eine neue Maschine zur Verfügung: Die Otto Bihler Maschinenfabrik GmbH & Co. KG stiftete dem Lehrstuhl für Umformtechnik und Gießereiwesen (utg) von Professor Wolfram Volk einen neuen Stanz-Biege Automaten BIFLEX im Wert von circa 750 000 Euro.

Die BIFLEX ist eine Mini-Produktionsstraße. Hergestellt werden können mit ihrkleine Metallteile, wie etwa Stecker für Steckverbindungen im Auto. Mit einem Laser der Firma Trumpf beschneidet die Maschine Blechteile auf die richtigeGröße und bringt sie mittels der Computer gesteuerter Biegeeinrichtungen in Form. Außerdem kann sie Gewinde schneiden Teile zusammenschweißen.

Die gängige Verfahrensweise bei der Produktion solcher Kleinteile ist, dass zunächst das Blech in einer Stanzpresse auf die gewollten Abmessungen gebracht wird. Mit Hilfe eines Kurvenscheibenantriebs werden die Teile dann gebogen.Beide Verfahrensschritte sind sehr schnell und eignen sich daher für die Produktion großer Stückzahlen gut, doch die Herstellung der Werkzeuge ist teuer und langwierig. Denn für jedes herzustellende Teil müssen Kurvenscheiben und Stanzwerkzeuge individuell gefertigt werden. Für die Fertigung kleiner Stückzahlen oder Prototypen – wie sie an der TUM für Forschungszwecke gebraucht werden – ist diese Verfahrensweise daher ungeeignet.

„Die Anforderungen der Forschung erfüllt die BIFLEX optimal", erklärt Martin Bednarz vom Lehrstuhl für Umformtechnik und Gießereiwesen. Denn der Laser zum Beschneiden der Teile ist individuell einstellbar, und gebogen wird mittelsmehrerer NC-Einheiten. Diese können genau auf die benötigte Kraft und Geschwindigkeit eingestellt werden. Zusätzliche Teile, wie Kurvenscheiben, müssen nicht mehr gefertigt werden. „Nur die Biegewerkzeuge werden noch benötigt", so Bednarz. Erste Forschungsprojekte sind schon in Planung. „Wir wollen beispielsweise herausfinden, wie neuartige Werkstoffe optimal verarbeitet werden können", fügt Bednarz hinzu. Denn aufgrund der Flexibilität der Maschine kann der Einfluss der verschiedensten Prozessparameter, wie etwa der Fertigungsgeschwindigkeit bestens untersucht werden.

Die Maschine ist auch ideal für die Lehre. „Wir können damit stärker die Belange der Fertigungstechnik berücksichtigen", ergänzt Professor Volk. „Mit der BIFLEX haben die Studenten die Möglichkeit, mit der neuesten Maschinengeneration zu produzieren. Für den Einstieg in die Wirtschaft werden sie damit bestens vorbereitet." Mathias Bihler, Geschäftsführer der Otto Bihler Maschinenfabrik GmbH & Co. KG, ergänzt: „Diese Maschine hier aufzustellen, ist für uns eine Investition in die Zukunft. Es ist wichtig, dass die Studenten die modernsten Maschinen zur Verfügung haben und damit umzugehen lernen."

Am Tag der offenen Tür, Samstag, den 15. Oktober 2011, können interessierte Besucher zwischen 11 und 18 Uhr die neue Maschine besichtigen und sich ihreFunktionsweise erläutern lassen. Mehr Informationen zum Tag der offenen Tür: www.forschung-garching.de

Mehr Informationen zum Lehrstuhl für Umformtechnik und Gießereiwesen der TU München: http://www.utg.mw.tum.de

 

Okt
07
6:24 Uhr

Tag der offenen Tür auf dem Forschungscampus Garching

Von TU München in Panorama.Bayern@lokaliz

Der Garchinger Wissenschaftscampus, eines der größten Zentren für Forschung und Lehre in Deutschland, lädt am 15. Oktober 2011 zu einem „Tag der offenen Tür" ein. Von 11 bis 18 Uhr öffnen die Forschungsinstitute ihre Türen und geben mit Experimenten, Führungen und Vorträgen Einblicke in die Welt der Wissenschaften. Mit einem umfangreichen und spannenden Programm zum Ausprobieren, Anschauen und Zuhören bieten die Garchinger Wissenschaftler Besuchern die Möglichkeit, Forschung hautnah zu erleben.

An manchen Tagen beherbergt Garching zu gleich den heißesten und den kältesten Ort Deutschlands. Dann nämlich, wenn im Walther-Meißner-Institut für Tieftemperaturforschung Temperaturen nahe am absoluten Nullpunkt hergestellt und direkt nebenan im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik die mehrere Millionen Grad heißen Plasmen der Fusionsforschung gezündet werden. Diese beiden und 26 weitere Forschungseinrichtungen des Campus können Besucher beim Tag der offenen Tür am 15. Oktober 2011 von 11 bis 18 Uhr erkunden.

Einen besonderen Leckerbissen servieren die Münchener Exzellenzclustern im Science Café im Erdgeschoss des Exzellenzzentrums, Boltzmannstraße 17: Wissenschaftler der Cluster stellen in Kurzvorträgen ihre Arbeit vor und stehen dann anschließend für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung. Den Anfang macht um 11.00 Uhr Professor Horst Kessler, der darüber berichtet, wie Wissenschaftler Spinnenseide künstlich herstellen.

Einen weiteren Akzent setzen die Schwerpunkte Nanotechnologie und Elektromobilität: Das Wissenschaftszentrum für Elektromobilität zeigt das an der TUM neu entwickelte Elektrofahrzeug MUTE. Im Gebäudeteil 5 der Fakultät für Maschinenwesen sind außerdem der Elektrorennwagen von TUfast, ein von Studenten entwickeltes E-Gokart das elektrisch angetriebene Flugzeug IMPULLS und weitere Themen rund um die Elektromobilität zu sehen.

Auf dem Vorplatz vor dem Exzellenzzentrum präsentiert der nanoTruck des Bundesministeriums für Bildung und Forschung eine Ausstellung und Vorträge rund um die Nanotechnologie. Vertiefen können die Besucher das Thema dann im Zentrum für Nanotechnologie und Nanomaterialien, dem Walter Schottky Institut oder dem Walther Meißner Institut und an weiteren Stellen auf dem Campus. Im Programmheft, das am Tag der offenen Tür ausliegt, sind Beiträge zur Nanotechnologie mit einem kleinen n gekennzeichnet.

Neu dabei sind diesmal das Zentrum für Nanotechnologie und Nanomaterialien, das im vorigen Jahr eröffnet wurde. Auch das neue Gebäude des Institute for Advanced Study der TU München kann erstmals besichtigt werden. Dort werden auch dieEntwürfe für das Projekt „Galileo" zu sehen sein. Das mit 75 Millionen Euro veranschlagte Infrastrukturprojekt für den Campus mit Hotel, Kongresszentrum und Läden soll in den nächsten drei Jahren gebaut werden.

In vielen Einrichtungen laden Mitmach-Experimente dazu ein, selbst einmal Forscher zu spielen. Wissenschaftler präsentieren ihre Projekte, interessante Vorträgen zeigen den neuesten Stand der Forschung. Egal ob Nanotechnologie oder Medizintechnik, Chemie, Mathematik, Informatik oderPhysik, überall gibt es am Tag der offenen Tür Neues zu entdecken, Dinge oder Verfahren, die uns vielleicht schon in wenigen Jahren den Alltag erleichtern werden oder einfach spannende, neue Einblicke in die Welt, die uns umgibt.

Vorträge in den Instituten erläutern die wissenschaftliche Arbeit und ihren Bezug zum Alltag des Besuchers. Als Ausgleich zum „Gehirnjogging" können sich sportliche Gäste zwischendurch beim Wettrutschen auf den Parabelbögen messen. Für Kinder besonders geeignete Angebote sind im Programmheft mit einem kleinen Ball gekennzeichnet.

Kulinarisches: Mensa-Cafeteria, FacultyClub des IAS, Betriebsrestaurant und Cafeteria des IPP, Cafeteria im MPI für Quantenoptik, Cafeteria der ESO, Chemie-Cafeteria, Imbiss-Stand in der Physik, Chicco di Caffé, FMI-Bistro und die Campus-Cneipe C2.

So kommen Sie hin: Von München aus erreichen Sie den Forschungscampus am besten mit der U6 (Endhaltestelle: Garching Forschungszentrum). Die MVG setzt zu Beginn des Tags der offenen Tür zusätzliche U-Bahn-Züge nach Garching ein. In der Zeit von 10.23 bis 11.23 Uhr ab Klinikum Großhadern, bzw. zwischen 10.40 und 11.40 ab Marienplatz, fährt die U6 im 10-Minuten-Takt. Davor unddanach gilt für die Fahrt nach Garching der Samstags übliche 20-Minuten-Takt.

Mit dem Auto erreichen Sie den Forschungscampus über die A 9, Ausfahrt Garching-Nord. Parkplätze befinden sich zwischen der B 11 und dem Forschungsgelände.

 

Okt
03
20:33 Uhr

Auswirkungen des Klimawandels im Grasland nachweisbar

Von TU München in Panorama.Bayern@lokaliz

Nicht nur am Holz alter Bäume lässt sich der Klimawandel ablesen. Forscher der Technischen Universität München (TUM) weisen nun auch für das Grasland nach, wie sich Ökosysteme langfristig an veränderte Klimabedingungen anpassen. An bis zu 100 Jahre alten Heuproben untersuchen sie, wie sich die CO2-Konzentration und die Nährstoffverfügbarkeit auf das Wachstum und den Wasserhaushalt von Pflanzen auswirken. Das laufende Forschungsprojekt von Dipl.-Ing. agr. Iris Köhler und Prof. Hans Schnyder am Lehrstuhl für Grünlandlehre wurde jetzt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit einem Preisgeld in Höhe von 25.500 Euro als „besonders förderungswürdig" ausgezeichnet.

Weiden und Wiesen, Steppen und Savannen bedecken mit 52,5 Millionen Quadratkilometern etwa 40 Prozent der Erdoberfläche. Die Bedeutung dieses Graslandes für das Klima ist im Gegensatz zu der des Waldes noch wenig erforscht. Um das zu ändern, untersuchen die TUM-Agrarwissenschaftler, wie sich wichtige Funktionen der Graslandvegetation durch die steigende CO2-Konzentration in der Luft ändern: Jede Pflanze nimmt Kohlendioxid aus der Luft auf und verdunstet gleichzeitig Wasser. Dies geschieht über die Stomata, winzige Poren an der Blattoberfläche, deren Größe die Pflanze regulieren kann. Steigt die CO2-Konzentration in der Luft, gibt es zwei Anpassungswege: Die Pflanzen können entweder mehr CO2 aufnehmen, ohne die Poren weiter zu öffnen. Oder sie verkleinern die Porenöffnung und halten damit die aufgenommene CO2-Menge konstant. Beide Optionen haben starke Auswirkungen auf das Ökosystem Grasland und seine Klimafunktionen. Denn die Öffnungsweite der Stomata bestimmt, wie viel Wasser verdunstet – ein entscheidender Faktor für regionale Wasserkreisläufe, beispielsweise im Alpengebiet.

Die TUM-Wissenschaftler Iris Köhler und Prof. Hans Schnyder wollen deshalb herausfinden, welche der Anpassungsstrategien in der Vergangenheit bei Graspflanzen aufgetreten sind und wie sie sich erklären lassen. Sie greifen dafür auf bis zu 100 Jahre alte Heuproben zurück. Sie stammen aus einem Langzeitexperiment der britischen Forschungsstation Rothamsted, die seit 1856 jährlich Heuproben archiviert. Aus dem Verhältnis von schwerem zu leichtem Kohlenstoff in den Proben lässt sich ablesen, wie sich die Wassernutzungseffizienz der dortigen Graslandvegetation über die Jahre geändert hat. Zudem wurden die Parzellen des Versuchsgeländes unterschiedlich stark gedüngt. Wie sich die Verfügbarkeit der Nährstoffe im Boden langfristig auf die Wassernutzungseffizienz von Grasland auswirkt, ist ebenfalls Bestandteil der Untersuchungen. „In den vergangenen einhundert Jahren ist die CO2-Konzentration weltweit um 30 Prozent angestiegen. Der Blick in die Vergangenheit hilft uns, Klimasimulationen präziser zu machen und damit die Folgen des Klimawandels besser zu verstehen", sagt Prof. Hans Schnyder.

Mit einem Preisgeld zeichnet die DFG seit 1999 „besonders förderungswürdige" Projekte in den Agrarwissenschaften aus. Die Sonderförderung in Höhe von 25.500 Euro aus Mitteln des Stifterverbands der Wissenschaft bzw. der Landwirtschaftlichen Rentenbank ergänzt nun die bereits genehmigten DFG-Forschungsgelder des TUM-Projektes.

 

Sep
23
0:06 Uhr

9. Etappe in Helsinki

Von Markus Roth in Radreise 2011 Schweden Finnland Baltikum.Dachau@lokaliz

Von gesundem, erholsamem Schlaf kann ich heute Morgen nicht berichten. Es ist kalt auf den klimatisierten Schiffen und da ich weder Unterlage noch etwas zum Zudecken dabei habe, fror ich gewaltig auf dem Teppich des Schiffbodens. Außerdem lässt mir mein Fuß keine Ruhe. Er ist gewaltig geschwollen.

Der Hafen von Helsinki

Wir erreichen Helsinki pünktlich auf die Minute um 09:00 Uhr morgens. Das Wetter ist prächtig, leicht bewölkt zwar und ein frischer Wind wehend. Der Blick vom xten Stock des Schiffes auf die Stadt herunter ist beeindruckend. Ich kann mich aber des Gefühls hier schon nicht erwehren, dass irgendetwas Schweres auf dieser Stadt lastet. Meine erster Gedanke ist: die russische Seele, das schwere russische Gemüt. Aber wir sind doch in Finnland.                                                                                                     Der Markt am Hafen - Essen

Wir verlassen unser Schiff und treffen zuerst auf einen Marktplatz ganz in der Nähe der Anlegestelle unseres Schiffes. Überall begrüßen uns orange-farbene leinenüberdachte Stände voller Essensangebote. Da gibt es allerlei Leckereien mit Lachs, Fisch, Krabben und Kartoffeln, dann auch asiatisch-spanisch gemischte Speisen wie eine Gemüsepaella. Auch Rentierfleisch darf nicht fehlen.

Der Markt am Hafen - Felle. Vielleicht sind wir doch in Russland?

Da es noch früh am Tage ist, begeben wir uns erst mal ein Stück weiter durch den Markt. Da werden Pelzmützen verkauft, die meine Gedanken von Russland von vorhin noch mal verstärken. Und viel Gemüse wie Bohnen, Karotten und Tomaten. Auch Obst, nämlich Himbeeren, Blaubeeren in rauen Mengen und nicht gerade billig. Diese blauen Beeren sind so riesig, dass mir erneut Russland, speziell Tschernobyl und die atomare Strahlung in den Sinn kommen.                                                                                                                  Real existierender Sozialismus!?

Die Menschen laufen kreuz und quer und ich habe das Gefühl - das mir Christian wenig später auch bestätigt - dass jeder so vor sich hintritt und hindenkt, ohne wirklich auf seinen Nächsten zu achten.

Wir überqueren eine Straße, setzen uns an einen Stand, der den letzten Ausläufer des Marktes darstellt. Vorher war ich noch in einer Apotheke an einer Ecke und frage nach homöopathischen Mitteln gegen meine Beinbeschwerden. Ein junger Mitarbeiter der Apotheke erklärt mir, dass es eine einzige Apotheke in Helsinki gäbe, die solche Mittel hat, aber die wäre einige Kilometer entfernt von hier. Er nennt mir Namen, Adresse, vielleicht auch noch die U-Bahn Haltestelle, aber der geneigte Leser kann sich vorstellen, dass ein Neuankömmling in Finnland, der finnischen Sprache sowieso nicht mächtig, erhebliche Schwierigkeiten haben kann, ausgesprochene Straßennamen, Namen von Plätzen oder Metrostationen überhaupt zu verstehen, geschweige denn zu behalten.

Finnische F1 Piloten im Freizeitlook

Also doch erstmal das Frühstück. Ein Süßteilchen, das zwar 2,50 € teuer ist, aber nach 1,-€ Industriegebäck schmeckt. Aber ich kann wieder eine Dosis Schmerztabletten einnehmen, nachdem das ja auf nüchternen Namen nicht zu empfehlen ist. Das Betrachten meines rechten Fußes bereitet mir Kummer. Er schmerzt nicht nur heftig, sondern ist richtig dick angeschwollen und ich merke, wie erste Gedanken an eine Rückreise an diesem Tag immer mehr Raum gewinnen. Aber ich weiß auch, dass das richtige homöopathische Mittel bewirken kann, dass die Probleme innerhalb zweier Stunden beseitigt sein können.                                                                                   Der Hauptbahnhof von Helsinki

Aber dazu gehört nicht nur Glück, sondern erstmal eine Apotheke, die diese Mittel auch vorrätig hat.

Ich schiebe mein Fahrrad nochmals über den Markt, als Krisch mir andeutet, dass eine Frau sich für ihn interessiert, besonders aber für seine Waden, die sie bewundernd betrachtet. Diese sind wirklich bemerkenswert dick und während unserer Fahrt auch sehr muskulös geworden.

Wadenbewunderer - die Frauen können sich kaum zurückhalten

Ich kann die Dame verstehen. Je mehr die Tage voranschritten, habe ich die Entwicklung der enormen Muskeln beobachten dürfen, wenn ich hinter Chris hergefahren bin. Das einzige, was bei mir sich entwickelt hat, ist mein dicker rechter Fuß.

Felleverkaufen bei 28 Grad im Schatten erzeugt Langeweile

Kurze Zeit darauf drehe ich meinen Kopf nach hinten, weil ich Stimmen höre und sehe Chris im Gespräch mit jener Frau. Als ich ihn nach dem Inhalt ihrer Worte später befrage, meint er nur, sie wäre interessiert daran, eine Fahrradreise zu unternehmen und hätte ihm dazu ein paar Fragen gestellt. Sie ist dunkelhaarig und hat asiatische Gesichtszüge. Sie lächelt freundlich in die Gegend und schwatzt jetzt gerade mit ihrer Begleiterin. Auch die Damen der Schöpfung habe so ihre Mittel, mit ihren Auserwählten in Kontakt zu kommen.

Krisch und ich tasten uns mit unseren Fahrrädern ein wenig ins Stadtinnere, passieren einen Park, um danach wieder in die Nähe des Marktes zurückzukehren. Dort befindet sich an einer Straßenecke das Tourismusbüro. Ich trete ein und frage einen Herrn nach den Fährhäfen und nach der besagten Apotheke.                                                                                                          Gemüsemarkt

Dieser Mann mittleren Alters und mit wenig Haaren auf dem Kopf hat wohl schon mehr sein Rentendasein im Kopf. Er ist nicht eben freundlich, gibt mir aber die gewünschten Infos. Ich mache mich also mit Christian auf den Weg zur ominösen und einzigartigen Apotheke Helsinkis, die in einem runden Haus angesiedelt sein soll.

Auf dem Weg trennen wir uns und ich radle weiter ins Landesinnere. Endlich komme ich an dem denkwürdigen, sagenumwobenen, großen und runden Haus an, in dem sich die Apotheke befinden soll. Ich umkurve das rundherum aus Glas gebaute Wahrzeichen Helsinkis und finde tatsächlich auf der gegenüberliegenden Seite den pharmazeutischen Betrieb. Es ist wenig los im Geschäft als ich eintrete und mich einem Herrn an einem Schalter zuwende. Er heißt mich, eine andere Ecke der Apotheke aufzusuchen, wo eine Homöopathin mich beraten würde.

5 8 Lustige Lappen bzw. Mützen

Die Dame ist auch schnell am Tresen und ich versuche ihr auf Englisch meine Wehwehchen zu erklären. Da mir das in der englischen Sprache sichtlich schwer fällt, fragt sie mich plötzlich, ob wir uns denn nicht in meiner Landesprache unterhalten können. Überrascht gebe ich mich als deutscher Staatsbürger zu erkennen. Im gleichen Moment wechselt Camila in perfektes Deutsch über und alles ist nun ganz leicht. Dieser finnische Engel bemüht sich ausführlich, das richtige Mittel für mich zu finden. Als ich sie nach ihrer Email Adresse frage, weil ich ihr anbieten möchte meinen Blog zu lesen, gibt sie mir ihre Visitenkarte. Ich bin überrascht, weil sich der Name nicht finnisch liest. Sie erzählt mir, dass sie zu einer in Finnland lebenden 7%-en schwedischen Minderheit gehöre. Sie wünscht mir alles Gute und an der Kasse bezahle ich über 40,-€ für drei Medikamente.

                                                                                                                                           Das Ziel meiner schlaflosen Nacht - der Rundbau mit Apotheke

Auf meine erstaunte Nachfrage, meint der Mann an der Kasse nur lapidar, dass solcherlei Produkte in Finnland eben teurer seien als anderswo in Europa. Humorloser Typ, klar, aber was kann ich schon tun. Ich bin froh, einen kleinen Hoffnungsschimmer für die Fortsetzung meiner Reise in den Händen zu halten. Ich nehme auch sofort ein Kügelchen ein – und hoffe.

Es geht zum Treffpunkt zurück und ich setze mich mit Krisch in die Sonne. Mein Fuß wird auch in den kommenden zwei Stunden nicht besser und wir haben bereits ca. 14 Uhr. Ich entscheide mich, das zweite Mittel zu probieren. Dann zwei Stunden warten. Die Schmerzen zwingen mich etwas langsamer zu tun. Ich bemerke, wie es auch in Christian arbeitet. Wenn er alleine weiterfahren müsste. Er besitzt sogar ein Visum für Kaliningrad, und hätte eigentlich sogar Lust mit dem Fahrrad die ca. 1000 Km bis Danzig zu fahren. Er möchte auf jeden Fall aber Tallinn sehen.                                      

Moderne Kunst in Finnland 1

Auch ich schwanke ständig. Jetzt bin ich soweit geradelt und stehe am Tor zum Baltikum. Die Fähre benötigt noch zwei Stunden bis Tallinn. Soll ich nach Hause fahren oder wenigstens noch    Moderne Kunst in Finnland 2nach Estland übersetzen. Wenn es dann nicht ginge, könnte ich ja nach Helsinki zurück und zwei Tage später mit der Fähre fahren.

Ich schaue mir die Fahrpläne der Fähren an und stelle mit Erschütterung fest, dass zwar morgen und übermorgen Fähren von Finnland nach Rostock auslaufen, dass diese aber zwei Nächte und einen Tag unterwegs sind. Das Schiff heute um 19 Uhr würde mich binnen eines Tages nach Rostock bringen. Die Wettervorhersage für die kommenden Tage im Baltikum ist mehr als schlecht. Bis zu sechs Windstärken aus Süden und Regen.

Und mein Fuß wird und wird nicht besser. Chris ist noch mal in die Stadt gefahren, um Fotos zu machen. Wir verabreden uns gegen 16:30 Uhr. Ich nehme Platz an der Hausmauer der Tourist-Info, an der ein paar Stühle und Tische platziert sind. Im Laufe

Playmobil in echt

der nächsten Stunde entscheide ich mich, den Weg nach Hause anzutreten. Als Krisch pünktlich wieder eintrifft, teile ich ihm das mit. Wir betreten die Infostelle und ich gehe davon aus, dass es nun kein Problem ist, das Ticket nach Rostock zu buchen.             Straenkunst in Helsinki

Die Dame am Schalter ist aber der Meinung, dass sie mir keine Karte mehr verkaufen kann. Ich bin erstaunt, denn Anfragen im Laufe des Nachmittags lauteten immer positiv. Ja, es gäbe noch Tickets. Nun meint sie aber, es wäre zu spät, und die einzige Möglichkeit wäre, am Hafen direkt zu buchen. Kein Problem sage ich, das tu ich. Sie meint, dass der Hafen aber ca. 20 Kilometer entfernt ist. Wir haben 17 Uhr und um 18 Uhr schließt der Check-In dort. Jetzt wird es also stressig. Ich bitte darum mir ein Taxi zu bestellen, das auch ein Fahrrad transportieren kann. Ich bekomme die Auskunft, dass das Taxi in etwa 20 Minuten kommen wird. Das wird knapp. Wir haben nun schon 10 nach Fünf. Aber urplötzlich hält draußen ein Mercedes Sprinter und ein Mann um die Fünfzig springt heraus. Schnell stellt sich heraus, dass er nichts anderes im Sinn hat, als mich rechtzeitig zum Hafen zu bringen. Ich verstaue mein Bike im Fahrgastraum und setze mich dazu.

Wie in Thailand - Markt auf Booten

Die Verabschiedung von Krisch verläuft nun kurz und schmerzlos, nachdem er mir den Schlüssel seines Autos überlassen hat. Das ist auch gut so, denn die Reise war wirklich super, wir haben uns prächtig verstanden, und anders wäre sicher auch eine große Traurigkeit in mir aufgestiegen.                                                                                    Prachtbaute in HelsinkiWer drischt hier auf wen ein?

Ich habe nicht viele Finnen kennengelernt, aber sie sind alle sehr nett. Der Taxichauffeur fährt zügig und meine Blicke auf die Uhr, die mir in riesigen roten digitalen Lettern die Zeit mitteilt, schreitet erbarmungslos voran, während mein tapferer Finne und Fahrer sich durch den Verkehr Helsinkis quält. Er redet unablässig, und weil er so überaus zuvorkommend und freundlich ist, bedauere ich es ein wenig, dass ich mich so schlecht auf ihn und das Gesagte konzentrieren kann. Am Ende unserer Fahrt, meint er dass ich immer und zu jederzeit herzlich willkommen in Helsinki sei und er sich freue, wenn ich wiederkäme.

Wir schaffen es rechtzeitig und ich bekomme das ersehnte Billet nach Rostock. Ich fahre ganz nach vorne an der Warteschlange vorbei und treffe auf zwei Radler. Es stellt sich heraus, dass die beiden (Vater und Sohn) gerade das Baltikum von Klaipeda nach Tallinn durchfahren haben. Somit erfahre ich einiges Wissenswertes über die Strecke, die ich mit Chris zusammen ursprünglich entdecken wollte. Sie äußern sich eher sachlich denn enthusiastisch über das Baltikum, so dass ich meinen Abbruch nicht wirklich bereue. Pünktlich um kurz vor sieben Uhr werden wir auf die Fähre geleitet, die dann auch zeitnah ausläuft.

Das war noch richtig Stress am Abend, aber nun bin ich gut gelandet. Es sind noch ein paar Radfahrer auf dem Schiff und zufällig haben wir uns alle in einem kleinen Raum mit ca. 25 Pullmannsitzen im Bauch des Schiffes eingefunden.

Ich habe Hunger und obwohl ich kaum laufen kann, buche ich ein Abendessen an Bord. Ich bin überrascht, denn was auf dieser Fähre am Büffet aufgefahren wird, sucht seinesgleichen. Für 24 € schlage ich mir den Magen voll und mache mir anschließend doch merklich Sorgen über meinen Gesundheitszustand. Mein Fuß wird immer dicker und schmerzt gewaltig. So sehr, dass ich am Abend an die Rezeption trete und nach dem Schiffsarzt frage.

Schiff am Morgen in Helsinki

Leider ist keiner an Bord. Ich humple zur Bar. Einer Bardame erkläre ich kurz mein Dilemma. Wortlos verschwindet sie in der Kombüse und kommt mit einem riesigen Sack Eisbeutel, eingehüllt in zwei Plastiktüten zurück. Ich begebe mich in ein menschenleeres Cafe und genieße die wohltuende Kälte auf meinem rechten Fuß.

Es ist spät geworden, als ich mich in den Schiffsbauch zu meinen Kollegen orientiere. Alle schlafen schon, aber nicht wie erwartet in den Pullmannsitzen, sondern ausnahmslos am Boden. Es ist wie immer saukalt hier. Auch ich lege mich an den Boden. Nicht, dass es unerträglich kalt ist, sondern es liegen auch noch zwei Kilo Eis auf meinem rechten Fuß. Trotzdem gelingt es mir, die eine oder andere Stunde Schlaf zu finden.

Statistik:

9,57 Tageskilometer

00:55:54 h reine Fahrzeit

10,23 km/h ave

34 m Tageshöhe

16 m maximale Höhe über NN

 

Sep
14
8:47 Uhr

Tipps zum Schulbeginn

Von Landratsamt Dachau in Ratgeber.DAH@lokaliz

Nach den Sommerferien heißt es in den Schulen wieder: „Hefte raus!". Auch im neuen Schuljahr wird eine Menge Papier zum Einsatz kommen. Der Umwelt zuliebe sollte man bei der Wahl der Schulhefte Papier wählen, welches nicht aus Urwaldholz hergestellt wurde. Eine gute Orien-tierung bietet der „Blaue Umweltengel". Papierprodukte mit diesem Umweltzeichen sind nach strengen Umweltkriterien aus Recyclingpapier hergestellt und schonen damit Umwelt und Wäl-der.

Auch bei der Auswahl der Schulmaterialien sollte man auf Umweltfreundlichkeit und Langlebig-keit achten. Blei- und Buntstifte sollten unlackiert sein. Filzstifte und Textmarker enthalten oft Lösungsmittel und Konservierungsstoffe. Besser sind nachfüllbare Stifte auf Wasserbasis und Trockentextmarker. Kleber sollten lösemittelfrei sein, Radiergummi aus Naturkautschuk, Anspit-zer und Lineal aus unlackiertem Holz oder Metall.

Umweltfreundliche und nachhaltige Schulmaterialien kommen ohne bedenkliche Inhaltsstoffe aus. Außerdem sind sie meist langlebiger und dadurch im Endeffekt günstiger als die Wegwerf-variante.

 

Sep
13
13:12 Uhr

Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium)

Von Monika Engelmann in Panorama.Bayern@lokaliz

schafgarbe 1 homepage

 Fast bei keiner anderen Pflanze gilt der lateinische Spruch „nomen est omen“  so sehr, wie bei der Schafgarbe. Ihre lateinische Bezeichnung „Achillea“ weist für den Korbblütler sofort den Weg auf den griechischen Sagenhelden Achilles, der damit seine Wunden behandelt haben soll. Dieses Wissen, dass er angeblich von seinem Lehrmeister, dem Kentauren Chiron vermittelt bekam, scheint auf alle Fälle sehr, sehr alt zu sein.

Die in der, in ganz Eurasien verbreiteten, Schafgarbe enthaltenen ätherischen Öle wirken schleimlösend und ganze blühende Pflanzen finden als Bitter-Tonika Anwendung bei Verdauungsstörungen und Koliken. Aber Vorsicht: Die Öle können bei empfindlichen Menschen eine Kontaktallergie (Korbblütlerallergie) auslösen.

Generell wird den Blüten und Blättern aber eine entzündungshemmende, blutstillende und beruhigende Wirkung zugeschrieben. Wie fast alle Bitterstoffe enthaltenden Pflanzen wirkt sie verdauungsfördernd und soll gegen Appetitlosigkeit und Magen-Darm-Problemen helfen.schafgarbe 2 homepage

Durch ihre bis zu 90 cm langen Wurzeln wirkt die Schafgarbe bodenfestigend und sie gilt bei Gärtnern auch als Kompostbeschleuniger.

Die auch als „Augenbraue der Venus“ bezeichnete, aromatisch duftende und von Juni bis Oktober blühende Färberpflanze hat im Garten noch durchaus weitere positive Eigenschaften. So soll sie durch Wurzelausscheidungen schwächliche Nachbarpflanzen stärken.

In der Küche finden nur die zarten Blätter und frischen Blüten Verwendung.

Die Blätter bereichern jeden Salat und jede Kräuterbutter, können aber auch als Gemüse zubereitet werden. Auch eingearbeitet im Nudelteig oder als Einlage mit den Blüten in einen Essig oder Kräuterlikör sind sie oder ihre Aromen sehr schmackhaft.

Mit den essbaren Blüten lassen sich ganz wunderbar Zucker und Limos aromatisieren. Kleingehackt als Gewürz bereichern sie manche Speisen.

schafgarbe 3 homepageAlso wieder einmal eine Pflanze die jeder schon einmal gesehen hat, schön anzusehen ist, interessant duftet und egal ob Gärtner oder Gourmet, für jeden durchaus das Leben bereichern kann.

 

Kräuterpädagogin Monika Engelmann in Dachau

www.Die-Pickelmühle.de

Sep
05
8:24 Uhr

Stellungnahme der Fraktion der Freien Wähler Dachau zum Antrag Bahnhof Dachau Stadt

Von Leserbrief von Edgar Forster in Panorama.DAH@lokaliz

– Leserbrief von Edgar Forster -

Dachau 21 ?

Die Fraktionen von SPD, ÜB, Grüne und Bündnis haben eine Sondersitzung des Stadtrats beantragt, die nach Bayerischer Gemeindeordnung verpflichtend war. Thema des Antrags: Der Bau einer Bahnbrücke mit Verschiebung des Bahnhofs Dachau-Stadt. Nach relativ kurzer Debatte mussten die Antragssteller ihre Vorschläge zurückziehen. Warum?

1. Der Antrag war völlig verspätet, denn seit Jahren werden die Bauvarianten im Planfeststellenverfahren geprüft. Die hier vorgetragene Möglichkeit wurde bereits vor 4 Jahren vom Stadtrat und der Bahn abgelehnt.

2. Die Höhe des Neubaus n der Freisingerstraße ist mindestens 10 m, inkl. Lärmschutzwand. Will man so ein hässliches Bauwerk, eine neue Berliner Mauer mitten in Dachau?

3. Fachleute der Bahn gaben eine ernsthafte, wenn auch nur vorläufige Kostenschätzung. Eine Verbilligung erhofften die Antragsteller, es wäre um ca. 10-12 Millionen EURO teurer geworden

4. Die normale Finanzierung erfolgt durch Stadt, Freistaat, Bahn AG und Bundesregierung. Die neue Planung müsste die Stadt Dachau alleine finanzieren.

5. Verheerend sind die Umweltfolgen. Erhöhter Lärm im Wohngebiet und Altenheim, das Anschneiden der vergifteten Flächen der Papierfabrik bringt nur Ärger und Kosten

6. Das abgeschlossene Planfeststellungsverfahren müsste neu eröffnet werden Das bedeutet eine Verzögerung von bis zu drei Jahren. Verzögerung heißt in diesem Fall, dass die Linie A nach Altomünster gar nicht mehr ausgebaut werden kann, da die Finanzmittel fehlen werden

7. Das alles hätten die Antragsteller SPD, ÜB, Grüne und Bündnis durch einen Anruf beim Stadtbauamt oder bei der Regierung von Oberbayern erfahren können. Haben sie kein Telefon?

Fazit: Der SPD-ÜB-Grün-BfD-Antrag war völlig unüberlegt.. Die Sondersitzung war völlig unnötig. Dachau 21 kann mit Stuttgart 21 nicht mithalten. Peinlich das Ganze!

 

Sep
01
23:55 Uhr

8. Etappe von Stockholm nach Helsinki

Von Markus Roth in Radreise 2011 Schweden Finnland Baltikum.Dachau@lokaliz

Nach den Bierchen mit dem Nachtportier war das Aufwachen nicht ganz so erfrischend wie an den vorangegangenen Tagen. Ich döse noch ein wenig vor mich hin, während Christian schon zum Frühstücken geht.

Eine wundervolle Haupstadt

Für ein Vier-Sterne-Hotel wirkt der Frühstücksraum eher wie der einer Jugendherberge auf mich, als ich ihn eine halbe Stunde später betrete. Christian sitzt immer noch da und nippt an seinem Kaffee. Aber das Angebot ist einmal mehr sehr zufriedenstellend bis phänomenal. Hartgekochte Eier (natürlich – was sonst), Wurst, Camembert, Gorgonzola, Früchte, Müsli, Säfte, einfach alles was das ausgehungerte und kaloriensüchtige Radlerherz begehrt.

Ich merke, wie unruhig Christian heute Morgen ist. Er steht auch gleich auf und meint, er würde noch mal zum Hafen fahren, und das Ticket für die Überfahrt nach Helsinki dingfest machen. Ich lasse ihn gehen, froh, eine Stunde für mich zu haben. Ich gehe       Stockholm in ganzer Prachtnach dem Frühstück auf mein Zimmer, prüfe, ob die gestern gewaschene Wäsche trocken ist. Gehe noch mal ins Internet und checke meine Mails. Aus der Schweiz ist wieder was gekommen, von einem netten Paar, das ich im vergangenen Herbst in Tirol kennengelernt habe. Ich finde es schön, wenn aus Begegnungen Freundschaften entstehen, die sich bestätigen über einen langen Zeitraum, ohne das man sich ständig sieht. Ich beantworte die Mail und packe meine Sachen, so dass ich rechtzeitig auschecken kann.

Der Obelisk von Stockholm

Derweil klingelt das Telefon. Christian hat schlechte Nachrichten. Ihm wurde im Ticketbüro der Silja Line die Pistole auf die Brust gesetzt. Keine billigen Überfahrten mehr buchbar, lediglich eine Kabine zum Preis von über 300 €. So schön das Gefühl auch sein mag, auf der Fähre ein Bett zu haben – das ist uns zu teuer. Er kehrt zurück und fährt zur anderen Company, der Viking Line. Wir verabreden, uns zwischenzeitlich anzurufen, wenn wir in der Stadt unterwegs sind, um uns dann wieder zu finden.

Citroen - die besten Autos der Welt und ein Hauch von Frankreich mitten in Schweden

Im Internet finde ich noch eine Gebrauchsanweisung für den Einbau meines Tachos. Ich sehe es mir genau an. Ich denke ich habe das Problem erkannt und muss nur Magnet und Empfänger etwas näher zusammenschieben, weil nach dem Radwechsel womöglich der Abstand zu groß ist. Danach versuche ich noch meine Gefährtin telefonisch zu erreichen, was mir leider nicht gelingt. Ich habe schon das dringende Bedürfnis, mal wieder ihre Stimme zu hören.

Ich bewege meinen ausgelaugten Körper mit dem schmerzenden rechten Fuß zur Rezeption und bezahle noch die Getränke vom Vorabend. Die Dame dort geht in die Garage und schiebt mir mein Fahrrad nach draußen. Als zwanghafter Statistiker - wie der geneigte Leser sicher schon bemerkt haben dürfte - schaue ich mir sofort meinen Tacho an und siehe da: ein Griff in die richtige Richtung und er zählt wieder meine Meter und Kilometer. Wirklich: es waren lediglich der Magnet und das Steuerungsteil ein wenig zu weit auseinandergedriftet.

Ich schwinge mich auf meinen Drahtesel und wende mich der Richtung zu, wo ich das Zentrum vermute. Aber ich muss zweimal fragen wo es zum Hafen geht, so verwirrend erscheint die Innenstadt von Stockholm. Es ist belebt an allen Ecken und Enden in dieser mit südländischem Flair ausgestatteten Stadt. Viele Cafes säumen die Straßen und sind gut gefüllt mit wohl gelaunten Menschen. Wobei wahrscheinlich ca. 1 Million Touristen derzeit die Stockholm im Sommer belebter machen, als sie im Herbst oder Winter in Wirklichkeit ist. Aber es ist interessant, mit dem Rad die hübschen Seiten von Stockholm zu erfahren. Viele auffallend schöne Gebäude sind zu finden, die königliche Reitgarde kreuzt meinen Weg ins Zentrum.                                         Die Königlichen Reiter

Ich denke, dass mir Krischan vielleicht einfach über den Weg fährt. Aber dem ist nicht so. Irgendwann höre ich aus einer Gasse heraus wohlklingende Musik und orientiere mich direkt dorthin.                                                                                                Die Mädels singen wirklich toll - eigene Songs und auch Coverversionen

Aller vier am Kunst machenUnd siehe da: drei junge Frauen ausgestattet mit Cello, Gitarre und zwei wundervollen Stimmen, unterhalten die Passanten auf einem kleinen Platz, der mit kleinen Cafes und Irish Pubs bestückt ist. Ein älterer, vielleicht obdachloser Mann ist ebenso begeistert von Künstler in actionder Musik wie die übrigen Passanten und den Platz säumenden Cafe- und Kneipengästen. Nur er alleine hat keine Scheu, seinen Körper im Rhythmus der Musik zu wiegen, und ab und zu auf seiner hellblauen Mundharmonika zur Melodie mitzublasen. Ich habe sogar das Gefühl, dass die Stimmung der Mundharmonika zur Tonlage der Musik passt.

Ich telefoniere mit Krisch und er findet den Platz 20 Minuten später. Wir hören noch ein bisschen zu und begeben uns dann zu einem chinesischen Restaurant in der Nähe. Wir nehmen draußen Platz. Es ist richtig heiß heute und ich bin froh, dass es die einladenden hohen Lederbänke im Der Chinese in StockholmSchatten stehen. Es gibt Büffet für 89,- skr, das sollte man sich nicht entgehen lassen. Es schmeckt vorzüglich. Auch die Stockholmer Spatzen wissen das und sind erstaunlich keck. Setzen sich auf die Bänke, fliegen durch eine weit geöffnete Front sogar ins Lokal.

Die frechen Spatzen Stockholms

Christian hat von seiner Erkundungstour gute Nachrichten mitgebracht. Wir haben ein Ticket der Viking Line nach Helsinki. Allerdings Deckpassage, was bedeuten kann: kein Schlaf.

Aber immerhin: um 16 Uhr ist Check In, ab 17 Uhr geht es los in Richtung Finnland.

Wir haben nach mehrfacher Beratung uns entschlossen, nicht nach Turku zu reisen. Es wären von dort aus bestimmt noch ca. 200 Kilometer nach Helsinki gewesen. Das lässt aber unser Zeitplan nach der Panne vom zweiten Tag nicht mehr zu.                                                                         4 8 Professor beim Studium

Das Schiff ist riesig, dementsprechend geht es zu. Menschen vieler Nationen sind unterwegs und machen aus einem einfachen Stahlgebilde eine Multi-Kulti Atmosphäre. Ich finde ganz schnell einen Platz, an dem ich meinen mittlerweile dick angeschwollenen Fuß etwas hochlegen kann, und der zudem mit einer Steckdose für meinen PC ausgestattet ist. Heute habe ich wieder ein wenig Zeit zum Schreiben.

Unser Dampfer nach Finnland

Zwischendurch erkundet Chris das Schiff. Er ist lange weg, das bestätigt meinen Eindruck von vorhin: es ist riesig.

Wir überlegen auch die weitere Route und sehen uns den Wetterbericht im Internet an. Der verheißt ab Sonntag für das Baltikum nichts Gutes. Regen, Wind mit der Stärke 3 – 4 und Böen bis Windstärke 6 aus südwestlicher Richtung, in die wir fahren wollen. Wir beschließen, uns morgen bis zum Nachmittag Helsinki anzusehen und danach nach Talinn überzusetzen, sofern eine Fähre zur Verfügung steht.                                                                                          Das Schiff - GEWALTIG

Heute Abend klappt es für mich dann auch mit dem schon am Morgen ersehnten Telefonat mit meiner Gefährtin. Krischan begibt sich gegen 24 Uhr in einen Schlafraum, in dem einige Schiffspassagiere am Boden liegend Kraft für den morgigen Tag holen können. Dieser Raum ist wirklich nur mit einem Teppich ausgestattet. Sonst ist darin nichts, außer den mit Schlafsack und Isolationsmatte ausgestatteten Touristen.

Weltenbummler

Es ist jetzt knapp 3 Uhr nachts Ortszeit und ich begebe mich nun ebenfalls dorthin, nachdem ich wieder ein wenig am Blog geschrieben, und dabei dem hervorragenden Pianospieler in der Lounge gelauscht habe. Der hat gerade eben auch seinen Arbeitstag mit einer Schnulze von Elton John beendet.

 

 

Für die Statistik:

8,82 Kilometer

0:46:01 reine Fahrzeit

11,46 km/h ave

33 m Tageshöhe